3. FORUM Natur & Nachhaltigkeit – Schmeckt trotzdem!

Wie Ameisen: Im Kleinen gemeinsam Großes schaffen

Das 3. FORUM Natur & Nachhaltigkeit zum Thema nachhaltige Ernährung zeigte eindrucksvoll die komplexen Zusammenhängen unserer Ernährung, und bot allen Anwesenden – Gästen, Ausstellenden und Organisatorinnen – spannende neue Einblicke.

Schmeckt trotzdem! war der Titel der Veranstaltung am 22. April im Unterbräusaal und entgegen der Erwartungen gab es außer vielen Informationen ein reichhaltiges Angebot an Leckereien aller Art. Aber was war geboten?

Die Organisatorinnen vom Aktivkreis NATUR & NACHHALTIGKEIT Dr. Natalie Cusimano, Dr. Silke Boeffel und Sabine Roseburg haben mit der Veranstaltung den nachhaltigen Weg aufgezeigt, den unsere Nahrungsmittel gehen sollten – von der Ressourcen-schonenden Produktion über umweltfreundliche Verpackungen und klimabewussten Lieferketten bis zum Umgang mit Lebensmittelabfällen, sowie einem bewussten Konsum. Es ging Ihnen darum, Bewusstsein zu schaffen, dass an jeder Stelle dieses Weges  jede*r einzelne von uns Entscheidungen treffen kann, um den Prozess nachhaltig zu gestalten – für die eigene Gesundheit, sowie die unseres Planeten.

Eingeladen waren die Referentin Heike Winkler vom Münchner Ernährungsrat, sowie 16 regionale Akteure aus den Bereichen nachhaltige Produktion, Verpackung, Transport, Konsum und Entsorgung, die ihre Produkte, Informationen und Anliegen mit sehr viel Liebe zum Detail und z.T. sehr eindrücklich dargestellt haben: So hat der Food Sharing Verein Ebersberg 15 große Kisten mit geretteten Lebensmitteln mitgebracht und an alle Anwesenden verteilt. Diese Lebensmittel stammten aus zwei Abholungen an Folgetagen von ein und demselben Supermarkt. Mehr musste dazu kaum gesagt oder dargestellt werden: die enorme Menge an Lebensmitteln, von Brot und Gemüse über Fertigprodukte bis hin zu Weihnachtsschokoladen, die vor der Mülltonne gerettet wurde, sprach Bände.

Die Stände umrahmten die Bestuhlung des großen Unterbräusaals, angeordnet nach den oben genannten Bereichen. So traf man zuerst auf die Produzenten, hier die SoLaWi Neufarn, die frisch geerntetes Gemüse und ihr gemeinschaftliches Konzept vorstellte; daneben konnte man Joghurt vom Milchof Lanzl probieren, der neben der nachhaltiger Milchproduktion auch Milchflaschen nutzt, die bis zu 400x wieder verwendet werden können. Der Stand der Wolfmühle vermittelte den Eindruck eines gemütlichen Wohnzimmers, zeigte Produkte und bot 2 Apfelkuchen-Varianten an: die Besucher waren angehalten herauszufinden, welche die vegane Variante war – der Unterschied war tatsächlich nicht zu herauszuschmecken und beide Kuchen einfach köstlich.

Bei Mandi-o, ebenfalls einem Familienunternehmen, wurden die nachhaltig produzierten brasilianischen Produkte, sowie Marmeladen (vom ehemaligen Marmeladenherz) gezeigt. So fließt hier z.B. die Milch vom Milchhof Lanzl in die Milchcaramellecreme Doce de Leite. Außerdem werden nachhaltigen Verpackungen verwendet, wie Bio-Chips statt Styropor, die in der Bio-Tonne entsorgt werden können.

Am Stand des Unverpacktladens bunte bOHNE der Initiative Poing Unverpackt konnte man aus den mitgebrachten Lebensmittelständern Popcorn zapfen, sich über das Konzept des Ladens informieren und die mitgebrachten Quiche probieren, die auch gerne dort mal als Mittagstisch angeboten wird.

Unter dem Stichwort Konsum war ein Vielfalt an Ausstellenden versammelt: Die Ernährungsberaterin Claudia Kastizen stellte unkomplizierte Möglichkeiten für eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise vor; die Gemeinde Markt Schwaben, die hier als Trinkwasserversorgerin auftrat, gab einen spannenden Einblick in die Thematik; der Münchner Ernährungsrat war vertreten durch die Referentin Heike Winkler. Die angehende Kräuterpädagogin Christine Winter bot ein fantastisches Büffet aus Wildkräutern, wie Wildkräuter-Blüten-Muffins, in Essig eingelegte Bärlauchknospen oder Löwenzahn-Blütencreme, sowie ihr unerschöpfliches Wissen dazu an; das Klimaschutzmanagement des LRA Ebersberg stellte die Zusammenhänge von CO2 Verbrauch und der Herkunft, Lagerung und Transport der jeweiligen Lebensmittel dar und gab Informationen zum Wassersparen. Zum Thema Entsorgung, bzw. Weiternutzung von „Bio-Abfall“ hatte die Bücherei Markt Schwaben eine Vielzahl von Büchern ausgestellt. Mit großen Behältern, die unterschiedliche Rottegrade von Bioabfällen enthielten, bekam man am Stand vom KU AVIVE des LRA Ebersberg einen anschaulichen Einblick in den Prozess des Kompostieren sowie viele Informationen rund um das Thema Biotonne. Der bereits erwähnte Stand des Food Sharing Vereines Ebersberg fiel natürlich ebenfalls in den Bereiche der Nahrungsmittelentsorgung. Ebenso die Tafel „Tischlein deck dich“ der AWO Ebersberg, die neben dem Retten von Lebensmitteln als weiteres Nachhaltigkeitsmerkmal Menschen mit kleinen finanziellen Mitteln den Zugang zu Nahrungsmitteln ermöglicht. Wichtig zu erwähnen ist hier, dass die Lebensmittelrettungen nicht in Konkurrenz mit den Tafeln stehen, was noch einmal das Ausmaß der Verschwendung an Lebensmitteln in den Supermärkten deutlich vor Augen führt.

Schließlich verteilte Sabine Roseburg die vom Aktivkreis NATUR & NACHHALTIGKEIT zusammengestellte Hofladenbroschüre, in der regionale Direktvermarkter und Hofläden zusammengestellt sind, um den Zugang zu nachhaltigeren Produkten zu erleichtern. Beim Klima Quiz von ClimateFresk gab Silke Boeffel Einblicke in Teile der komplexen Zusammenhänge des menschlichen Handelns auf unsere Welt und das globale Klima.

Musikalisch wurde der Abend begleitet von Thomas Steinbrunner. Um 19 Uhr, nach der Begrüßung durch Walentina Dahms, führte Natalie Cusimano kurz in das Thema des Abends ein, erläuterte die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der UN – die, außer dem verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Natur, auch soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit sowie ein friedliches, gerechtes ausgeglichenes Miteinander aller Menschen auf diesem Planeten zum Ziel haben. Sie erklärte das Konzept der Veranstaltung und stellte gemeinsam mit ihren Co-Organisatorinnen alle Stände vor.

In ihrem Vortrag ging Heike Winkler dann auf die echt nachhaltige Ernährung ein, angefangen beim Konsum mit der Planetary Health Diet: die für uns und unseren Planeten gesündeste Zusammensetzung unserer Nahrung. Sie zeigte auf, wie die Aspekte Landwirtschaft, Verarbeitung, Vermarktung und Konsum aussehen, wenn sie echt nachhaltige gestaltet werden. Ein besonderes Anliegen war es ihr, den unschätzbaren Wert von handwerklich hergestellten Lebensmitteln hervorzuheben: Ganz im Gegensatz zur industriellen Herstellung spielen hier Begriffe wie Zeit, Sinne, Kreativität und Fantasie sowie natürlich Verantwortung eine Rolle, mit Vorteilen für alle Seiten – Hersteller, Verbraucher und Umwelt.

Es herrschte allgemeiner Konsens und in den anschließenden Wortbeiträgen wurden die Wichtigkeit jeder einzelnen Handlung, auch im Kleinen, aber auch die große Verantwortung, die vor allem die Politik mit ihren Möglichkeiten trägt, hervorgehoben. Am meisten können wir viel erreichen, wenn es nicht nur wenige Menschen die viel tun, sondern viele Menschen, die etwas tun – eben wie Ameisen!

Statt „trotzdem schmeckte der gelungene Abend allen „genau deswegen“, weil er nicht nur informativ und lecker war, sondern auch seinen kleinen Beitrag für eine nachhaltigere Welt geleistet hat.

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Dr. Natalie Cusimano – Aktivkreis NATUR & NACHHALTIGKEIT

 

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